Der heutige Durchbruch nach Monaten des Verhandelns war nur durch das Zusammenwirken lösungsorientierter Proponent/innen auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite möglich.

(Wien/OTS) – Nach überaus langwierigen, mehrere Monate andauernden Verhandlungen haben sich Arbeitgeber/innen und Arbeitnehmer/innen der Sozialwirtschaft Österreich heute auf den Abschluss eines neuen Kollektivvertrags geeinigt.

Die erzielte Drei-Jahres-Einigung umfasst folgende Eckpunkte:

  • Gehaltsplus von 2,7 Prozent für Jahr 2020
  • 2021: Erhöhung der Bezüge um 0,6 Prozent über der Inflationsrate
  • Ab 2022: Reduktion der Arbeitszeit von derzeit 38 auf 37 Wochenstunden
  • 500 Euro Prämie für Arbeitskräfte im „Corona-Einsatz“

„Wir sind wirklich sehr froh, dass diese außergewöhnlich schwierigen und verfahrenen Verhandlungen endlich zu einem Abschluss gekommen sind“, so Othmar Karas, Präsident des Hilfswerks, einer der größten privaten Sozialorganisationen in Österreich sowie Marktführer in der mobilen Pflege und Betreuung. „Eine weitere Prolongation des ungewissen Zustandes während der Verhandlungen wäre für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht zumutbar gewesen. Sie haben sich ein deutliches Gehaltsplus und die Anerkennung ihres Einsatzes in dieser schwierigen Zeit mehr als verdient“, so Karas.

Der Abschluss wäre laut Karas nur durch das Zusammenwirken etlicher lösungsorientierter und kompromissbereiter Proponent/innen auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite möglich gewesen. Der Konflikt machte sich im Wesentlichen an der ausschließlichen und anhaltenden Forderung der Gewerkschaften nach einer 35-Stunden-Woche fest. „Ich habe mich im Umfeld der Verhandlungen auch selbst massiv dafür eingesetzt, dass wir hier einen gangbaren Weg für beide Seiten finden“, sagt Karas. Der nun beschlossene Drei-Jahres-Korridor biete laut Karas Sicherheit und Perspektiven bis 2022 und sei ein tragfähiger Kompromiss, mit dem man nun arbeiten werde. Die Arbeitszeitverkürzung würden etliche Arbeitgeber mit guten Gründen nach wie vor durchaus skeptisch sehen.

„Wie auch immer man den Abschluss bewerten mag, diese Einigung darf jedenfalls nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Schicksalsfrage der kommenden Pflegereform die Personalfrage sein wird. Und um diese zu lösen, braucht es eine ganze Reihe von Maßnahmen“, meint Karas. So seien etwa dringend verbesserte Rahmenbedingungen für die Arbeit der Träger und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter notwendig. Das betreffe beispielsweise Personalschlüssel und zeitliche Ressourcen, um die Arbeit gleichermaßen fachgerecht und sozial befriedigend umsetzen zu können.

Arbeitserleichterung durch Entbürokratisierung und Digitalisierungseien ebenso wichtige Vorhaben wie eine entsprechende Anerkennung der Kompetenzen der Fachkräfte. „Wenn unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das, was sie gelernt haben, nicht umsetzen können, weil ihnen die Zeit fehlt oder Vorschriften sie daran hindern, dann ist das auf Dauer sehr frustrierend“, erläutert Karas.

Von besonderer Dringlichkeit wäre laut Hilfswerk eine beherzte Ausbildungsoffensive, die jeden Interessierten, jede Interessierte, dort abholt, wo er oder sie steht. Der Bogen müsse sich von einer dualen Ausbildung über berufsbildende Schulen und berufsbegleitende Lehrgänge bis hin zu postsekundären Ausbildungen ziehen. „Wenn wir hier zögerlich sind, werden wir den Wettlauf um die Zukunft der Pflege verlieren“, meint Karas abschließend.

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