Karlspreis für Mario Draghi: Europa bekennen heißt Europa ermöglichen

Der Internationale Karlspreis zu Aachen ist einer der bedeutendsten europäischen Preise. Er erinnert uns daran, dass Europa nicht nur ein Projekt der Verträge, sondern vor allem ein Projekt der Verantwortung ist.
Umso mehr hat es mich gefreut, auf Einladung von Armin Laschet bei der diesjährigen Verleihung an Mario Draghi und im Rahmen des dazugehörigen Forums dabei sein zu dürfen.
Mario Draghi hat in entscheidenden Momenten Verantwortung übernommen: in der Eurokrise, für die Stabilität unserer gemeinsamen Währung und heute mit seinem klaren Weckruf für ein Europa, das wettbewerbsfähiger, handlungsfähiger und souveräner werden muss.
Unter dem Motto „Europe at All Costs“ durfte ich beim Karlspreis-Europa-Forum mit drei ehemaligen Preisträgern darüber sprechen, was es bedeutet, Europa nicht nur zu bekennen, sondern auch zu ermöglichen.
Meine zentrale Botschaft: Europa ist nicht der Kostenfaktor. Nicht-Europa ist der eigentliche Preis. Es geht um die Frage, wie hoch der Preis ist, wenn Europa nicht gemeinsam handelt.
Wenn wir zusammenarbeiten, gewinnen wir an Kraft, Geschwindigkeit und Wirkung. Wenn wir uns blockieren lassen, wenn wir national denken, wenn wir Angst vor gemeinsamen Entscheidungen haben, verlieren wir Zeit, Wohlstand, Vertrauen und Einfluss.
Europa hat Geld, Ideen, Forschung, Erfindungen und Talente. Aber wir nutzen diese Schätze nicht gut genug. Unser Binnenmarkt ist noch zu fragmentiert, unser Kapitalmarkt noch zu unvollständig, unser privates Kapital zu oft außerhalb Europas investiert.
Mario Draghi erinnert uns daran: Wirtschaftliche Stärke ist kein Selbstzweck. Sie ist Voraussetzung für Freiheit, Demokratie, Sicherheit, sozialen Zusammenhalt und die Fähigkeit, unsere Zukunft selbst zu gestalten.
Europa hat einen Preis. Aber der Preis, Europa zu verlieren, wäre ungleich höher.