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PRESSESPIEGEL

EU-Politik im ersten Praxis-Test: Praktikant Lukas mitten drinnen

Brüssel, 05.12.2018

AUS BRÜSSEL INGRID STEINER-GASHI

EU-Parlament.
Viele Karrieren beginnen mit einem Brüssel-Praktikum. Auch Lukas Leitner ist hier am Start.

Lukas Leitner möchte endlich einen Blick von der Tribüne aus auf den Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Brüssel erhaschen. Dorthin, wo dieser Tage 751 EU-Abgeordnete über Gesetzesvorschläge abstimmen. Dorthin, wo die drei vergangenen Monate Arbeit des 21jährigen Praktikanten nun ihren Höhepunkt finden.

Den monatlichen Wanderderzirkus nach Straßburg, wo wesentlich mehr Abstimmungen stattfinden, hat der gebürtige St. Gilgener ausgelassen. Zu mühsam wäre die Reise gewesen, für den jungen, im Rollstuhl sitzenden Studenten. Aber seine eigentliche Arbeit, meint Leitner ohne Bedauern, habe sich ohnehin in Brüssel abgespielt.

Und das ist für den Politikbegeisterten: Sich in die Themen zu vertiefen, zu recherchieren und zuzuarbeiten, die "sein Abgeordneter" Othmar Karas betreut. Der Delegationsleiter der ÖVP-Mandatare im EU-Parlament hat den frisch gekürten Bachelor des Kombinationsstudiums Politik, Philosophie und Wirtschaft bereits zum zweiten Mal in sein Team geholt. "Politik hat mich schon seit der Schulzeit interessiert", erzählt Leitner und hält gleich fest: "Sachpolitik, nicht Parteipolitik."

Mit Kaffeekochen oder Zettel Kopieren haben Praktikantenjobs in Brüssel nichts zu tun. In der Hauptstadt der EU, Sitz unzähliger Politik- und Unternehmensberatungen, wird von den Berufseinsteigern hundertprozentige Mitarbeit eingefordert. An die 8000 junge Leute dürften es nach Schätzungen sein. Lang und fordernd sind Arbeitstage zuweilen. Nicht immer kann Lukas Leitner gegen 18 Uhr das Parlament verlassen. "Wenn man das gern macht", lächelt er, "machteinem dasnichts aus." Dabei immer an seiner Seite: Lukas Assistent. Cristian Trabajko war schon während Leitners dreijährigem Studiums an der Uni in Oxford mit dabei. Cristian erledigt alle, von Lukas benötigten Handreichungen, während der Praktikant mit großer Begeisterung die Kopfarbeit seines Jobs leistet. "Mich interessieren alle gesellschafdichen Prozesse." Vor allem aber liebt es der welthungrige Salzburger, "mit all den Leuten aus den verschiedenen Ländern und Kulturen zu reden. Ich erfahre von ihren Heimatländern, höre über die Politik dort, lerne neue Perspektiven kennen. Das habe ich wirklich schätzen gelernt."

Als er fünf Jahre alt war, wurde bei dem auffällig oft stolpernden kleinen Sohn einer Hoteliersfamilie nach einer Knochenmarkbiopsie die Diagnose gestellt: Eine genetisch bedingte Muskelerkrankung, bei der Muskelschwund fortschreitet. Seit er zehn Jahre alt ist, sitzt Leitner im Rollstuhl. Aufhalten ließ er sich dadurch nicht.

 

Einheitlicher Ausweis
Ein Anliegen hat der angehende Master-Student: Ein einheitlicher europäischer Behindertenausweis etwa, das würde das Leben vieler Menschen erleichtern, sagt Leitner. "Wenn ich jetzt mit meinem österreichischen Behindertenausweis in terreich Bahn fahre, darf mein Begleiter gratis mit. Aber in der Deutschen Bahn geht das nicht, da müssen wir zwei Tickets kaufen." Für viele Menschen mit Behinderung, die ohne Begleiter aber niemals Zug fahren könnten, ist das unbezahlbar. "In der ganzen EU sollte möglich werden, was in Österreich üblich ist. Da könnte mehr EU nicht schaden", ist Leitner überzeugt.

Zwar gibt es einen standardisierten EU-Behinderten-Parkausweis, doch von einem generellen EU-Ausweis für Menschen mit Behinderung ist man in der EU noch Lichtjahre entfernt. Sozialund Gesundheitspolitik fällt in die nationalen Kompetenzen der Mitgliedsstaaten da ist ein Angleichen der Gesetzeslage schwierig.